Montag, 26. Juni 2017

Trovenja Portraits


Dieses Jahr hatte ich 2 Mal die Möglichkeit, von Fotografen meine Gewandung ablichten zu lassen. Ich bin zwar nicht unbedingt ein begeistertes Model und dennoch froh um jede Gelegenheit, die Sachen zu präsentieren, in die ich aus Gründen, die ich selbst nicht immer ganz verstehe, so viele Stunden investiere.

Im Juni hatte ich das Vergnügen mit https://www.facebook.com/AquilinaCosplay/:





















Dienstag, 7. Februar 2017

Eira und Vigrid

Im Januar war ich zum ersten Mal auf einer Veranstaltung der Broken Crown Kampagne.
Da ich Neuspielerin war, wurde mir angeboten, erst mit einer GSC Rolle zu kommen und später, im Verlauf vom Samstag, in meine neue SC Rolle zu schlüpfen.

Die Gelegenheit war so gut, dass ich für die GSC Rolle endlich Eira, die blinde Skaldin spielen wollte. Ein blinder SC Charakter wäre dann doch etwas heftig gewesen.

In den Tagen und Wochen vor dem Con habe ich recht viel Zeit darauf verwendet, meine irische Metallsaitenharfe blind spielen zu lernen. Das ist gar nicht so einfach, wenn man bedenkt, dass normalerweise beim Harfespielen gutes Licht absolute Voraussetzung ist. Bei meiner chromatischen Harfe habe ich mir sogar oben einen LED Streifen einbauen lassen, damit ich auf schlecht beleuchteten Bühnen und auf Larp die Saiten besser sehe.

1790, vor dem Aussterben einer Jahrhunderte alten Skaldentraditin organisierte Dr. James MacDonnel ein Treffen von Harfnern in Belfast, um deren Musik aufzuschreiben zu lassen. Ansonsten wären auch diese Überbleibsel einer vorwiegend mündlich überlieferten Tradition für immer verloren für uns. 10 Harfner kamen - davon waren 6 blind. Es musste also einen Weg geben.

Mit der Zeit habe ich einige Tricks gefunden: Mit der linken Hand spiele ich oft Grundton, Quinte und Oktave. Diesen Abstand kennt meine Hand sehr gut. Oft ist der Grundton des neuen Akkrodes die Quinte vom alten. Mache ich einen Sprung, ist die Saite die richtige, die noch vibriert.
Die vibrierende Saite kann auch genutzt werden, um einen Ton darüber oder darunter zu lokalisieren. Bei kleinen Sprüngen hilft ein "stummes-die-Saiten-entlang-klettern" wenn das Tempo dies erlaubt.
Generell ist blindes Spielen eher ein Tasten. Während einer Rhythmuspause kann ein Anfangston leise auf seine Richtigkeit gecheckt werden. Fehler passieren häufig, sind jedoch nicht schlimm. Wenn mein Gehör nicht nur schnell erkennt, dass ich falsch bin, sondern vor allem, wo ich bin und wo ich hin muss, dauert eine Korrektur im besten Fall Sekundenbruchteile.

Die von der Orga geschriebenen Liedtexte mussten natürlich auch gut sitzen, denn ich würde sie nicht mehr nachlesen können.

Der nächste Punkt waren weiße, blinde Kontaktlinsen, denn ich wollte wirklich blind sein und erfahren, wie die Welt sich in diesem Zustand anfühlt. Das Einsetzen habe ich die Tage vor dem Con geübt und es hat dann auch gut geklappt. Durch weiße Kontaktlinsen sieht man hell und dunkel, bei gutem Licht auch Konturen und eventuell Abstände.

Auf der Con selbst bin ich erst nach Time In angekommen. Dadurch hatte ich vorher nicht die Gelegenheit, mir ein ausgiebiges Bild der Location zu machen. Dank hilfsbereiter Spieler wurde ich in jene Räume geführt, wo ich sein wollte. Also in die Taverne:
Viele Menschen, viele Stimmen, Lärm, Dunkel. Wie groß ist der Raum? Wo sind die Pfosten und Hindernisse, wo kann ich durch? Am Anfang war ich erstmal wie eingesperrt auf meinem Platz, weil der Freiraum, der mir zur Verfügung stand und durch die Augen definiert wird, einfach weg war.

 Man stellt sich eine Person hinter jeder Stimme vor, aber nur die markantesten unter ihnen konnte ich wieder erkennen. Bei den meisten wusste ich nicht, ob ich schon mit ihnen gesprochen hatte oder nicht, wenn ich sie ein zweites Mal sprach.
Viele neue Namen, viele Clansnamen... für mich als Kampagnenneuling ein Riesen Wirrwarr.
In Sachen Stimmen erkennen und Namen merken hatte ich mich als talentierter eingeschätzt.

Wo hatte ich meinen Becher nochmal hin gestellt? In meiner Tasche oder auf dem Tisch? Wo auf dem Tisch? Hat ihn jemand weg geräumt?

Mein GSC Charakter hatte ich eine Aufgabe: Die dunklen, melancholischen Propagandalieder für den Plot zu verbreiten. In einer Taverne, die für gewöhnlich ein fröhlicher Ort ist, ist eine solche Stimmung meistens nicht erwünscht. Wenn Leute reden und laut sind, dann ist das mittlerweile kein Problem mehr für mich, auch wenn ich OT lieber Konzerte spiele, wo das Publikum zuhört.
Doch es war so laut, dass ich meine Harfe teilweise nicht mehr hörte. Und wie oben beschrieben ist das sehr essentiell, wenn ich die Saiten nicht sehe.

Die letzte Schwierigkeit: Ich bin nicht gerade die Queen des Smalltalk. Man hat so seine Standardfragen: Name, Clan, wie sieht es hier aus, politische Einstellung... Hält man aber das Gespräch nicht in Gang, wird es langweilig und der Gesprächspartner verschwindet. Viele weitere Gesprächspartner sind anwesend, aber keiner davon sichtbar, Entfernungen einschätzen ist allein durch Gehör war auch nicht so einfach, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Durch das Hell-Dunkel Bild durch die Kontaktlinsen konnte ich Gott sei Dank alle offenen Türen an ihrem Umriss erkennen. Am Anfang bewegte ich mir sehr vorsichtig durchs Haus, da ich die Wege und Stufen noch nicht kannte. Der Blindenstab war dafür eine unentbeherliche Hilfe und ich kam immer schneller voran, je öfter ich die Wege ablief.
Mit der Zeit hat auch das Gefühl des Eingesperrt-seins nachgelassen und bereits am zweiten Tag fühlte ich mich schon wieder fast frei.

Dadurch, dass ich beim Harfespielen im Augenwinkel nicht sah, ob mir jemand zuhörte, ob derjenige eine Reaktion zeigte, konnte mich das gar nicht ablenken.
Oft stehe ich Geige spielend auf der Bühne, beobachte das Publikum und frage mich, das dieser oder jener Blick zu bedeuten hat. Diese Paranoia war quasi weg. Großartig!

Als ich dann am Samstag Nachmittag zu meinem neuen SC Charakter, Vigrid, vom Clan der Kilker wechseln konnte, war das eine Befreiung. Nicht nur, dass Vigrid ein einfaches Gemüt ist, gerne eine Heldin wäre, ich aber generell keine großen Taten in ihrer Haut verbringen muss: Ich sah endlich, mit wem ich sprach, konnte die Location in allen Farcetten genießen und ich hatte auch keinen Smalltalkstress.

Die Gewandung war ähnlich wie das blinde Harfenspiel zeittechnisch eine knappe Sache und wurde einen Tag vor der Con fertig:


Nicht zu sehen sind der Gürtel und meine neue Axt. Somit habe ich mit einem neuen Möchtegern Kriegercharakter einen schönen Kontrast zu meinen bisherigen Charakteren.

Eine Freundin von mir spielte meine IT Schwester. Wir trugen beide ein rotgelocktes Haarteil und hatten Sommersprossen aufgemalt. Es hat Spass gemacht, so im Partnerlook rumzulaufen und die Bodyguards eines betuchten Händlers zu sein.

Fazit zu Rollenwahl: Seit meiner Kindheit habe ich mich immer wieder gefragt, wie es denn wohl wäre, blind zu sein. Daher war es super, dass ich das endlich mal ausprobieren konnte. Gut war auch, dass es nur ein GSC Charakter war. Ich hätte keine Lust, das nochmal über einen längeren Zeitraum zu machen. Ich hätte allerdings nichts gegen einen Kurzauftritt von Eira in der Zukunft, falls es sich ergeben sollte.
Der Wechsel zu einem einfach gestrickten Charakter, der keine besonderen Aufgaben hat und alles erst mal neu und frisch erlebt, war ein schöner Kontrast.


Dienstag, 4. Oktober 2016

Trovenja, die Teufelsgeigerin





Mit dem Larp Charakter fing es ungefähr an. Eigentlich nur mit dem Namen, Trovenja, den ich das eine Mal als Söldnerin trug, ein ander Mal als Halbelfe.
Bis sich dann langsam daraus eine umherstreunende Geigerin entwickelte. Das war vor 10 Jahren oder so. Warum wollte ich den Char unbedingt spielen, warum habe ich mich so stark damit identifiziert?


Wie viele andere junge Larper wahrscheinlich auch, wollte ich das spielen, was ich damals am liebsten gewesen wäre: Frei umherziehend, ohne höhere Instanzen, Mist bauen so viel ich will und vor niemandem Rechenschaft ablegen, Musik machen und Geld damit verdienen, auf der Bühne stehen, feiern, lange Tavernenabende, Abenteuer...


Aber leider ist es gar nicht so einfach, das zu spielen, was man gerne wäre. Der extrovertierten Trovenja stand und steht immer noch, meine eigene Introvertiertheit im Wege. Wie soll ich einen schlagfertigen Charakter spielen, wenn ich es selbst nicht (immer) bin? Wie soll ich in einer fröhlichen Runde aktiv Stimmung machen, wenn ich selbst doch eher lieber passiv und schmunzelnd daneben sitze?

Andererseits bin ich in den 10 Jahren selbst ein Teil von Trovenja geworden: Ich habe in der Zwischenzeit Musik studiert und verdiene Geld damit. Ich habe in meinem Leben in 5 verschiedenen Ländern gelebt, wenn auch mit festem Wohnsitz, hatte unglaublich schöne Konzerterlebnisse und stehe auch jetzt regelmässig auf der Bühne.
Mit dem Feiern ist's dagegen nicht mehr so wie früher. Da bin ich etwas ruhiger geworden und ich habe auch gar keine Lust mehr, mich unter den Tisch zu saufen oder nächtelang durch die Strassen zu ziehen.



Da stellte sich mir irgendwann die Frage: Was mache ich mit dieser Jugendfantasie? Ein Teil davon ist Wirklichkeit geworden und ein Teil davon wird es niemals werden. Meine Nostalgie dafür lässt es nicht zu, dass ich sie einfach so in die Tonne trete.
Daher habe ich beschlossen: Ich werde versuchen, die Seiten des Chars mehr herauszuarbeiten, die mir nicht mehr entsprechen, wie wenn sich eines Tages unsere Wege getrennt hätten. Etwas, das aus mir geworden wäre, wenn einige Dinge anders verlaufen wären... oder so ähnlich.

Eine streunende Bardin, die viel zu viele Abende zu tief ins Glas geblickt hat. Die ihr Leben daher nie in den Griff bekommen wird, da das verdiente Geld in der nächsten Gasse wieder rausgeschmeissen wird. Ein bisschen draufgängerisch und zum Scheitern verurteilt. Oft unglücklich verliebt.
Aber sie zieht noch immer herum, von Ort zu Ort und verkehrt durch ihren Job auch in verschiedenen Gesellschaftsschichten.


Ein paar Mal war ich mit Trovenja am Drachenfest im blauen Lager. Eigentlich fand ich immer, dass so ein Piratensetting ganz gut zu ihr passt. Nachdem ich mich jedoch in letzter Zeit vermehrt mit Nähen und pseudohistorischem Gewandungsdesign auseinandersetze, und die veralteten Bilder oben meinen Ansprüchen schon lange nicht mehr genügen, wollte ich eine Epoche, an der ich mich orientiere.
Letztendlich bin ich beim Rokoko gelandet. Es ist mitunter die Belle Epoque der Piraterie und Streichinstrumente haben sich im Barock und Rokoko entgültig durchgesetzt. Irgendwo zwischen Bach und Mozart und ganz vielem modernen Folkgefiedel kann ich auch einen musikalischen Ansatz machen.

Die neue Alltagskleidung

Die Kleidung soll im Großen und Ganzen einfach und bürgerlich sein, aber auch ein wenig die künstlerische Seite betonen und verranzt wirken. Die Art der Kombination und der Stil sind eindeutig Rokoko, aber es sind viele Fantasyelemente enthalten und kaum einen der Schnitte kann man historisch nennen.

Die neue Festkleidung

Zum Schluss noch ein Bild, welches ich gemalt habe, um Trovenja zu charakterisieren. Eigentlich sollte es ein Stillleben werden. Bis auf ein paar Gegenstände im Fenster links ist es jedoch eine Stadtszene geworden. Ich habe versucht, den Baustil des 18. Jahrhunderts zu imitieren... Nacht, dunkle Gassen, Licht, Tavernen, eine streunende Katze...


Montag, 12. September 2016

Bilder von Celendria

Die terassenartige Stadt und Umgebung
Dieses Jahr bin ich mit meinem Elbencharakter zu einer anderen  Elbengruppe gewechselt und da wir dieses Jahr am Epic Empires waren und auch sonst fleissig am Hintergrund ausgestalten sind, habe ich einige Bilder zu dem Thema gemalt.

Wir stellen uns Celendria als eine Stadt vor, welche aus mehreren Terassen besteht und auf der einen Seite durch Meer und felsige Küsten begrenzt ist, auf der anderen Seite durch Wald. Darum herum gibt es noch eine Mauer mit Tor.

Für einige Gruppenmitglieder habe ich noch Charakterportraits gemalt. Entweder als Tauschhandel oder einfach als Geschenk.

Eloriel Elenril - Hochelbe und Bibliothekarin
Celegesgal - Waldelb und Kundschafter
Cuthaldir - Hochelb und Krieger
Suliriel - Hochelbe und Schreiberin
Um unseren Lagerbereich etwas aufzuwerten habe ich noch Innenbanner gemalt. Die Themen der Bilder sind die 4 wichtigsten Feste Celendrias, welche jeweils nur einmal im Jahrzeht stattfinden.
Ich muss dazu sagen, dass die Banneraktion unter großem Zeitdruck stattgefunden hat. Ich hatte 6 Tage für alle 4 Banner. Daher hatte ich einfach keine Zeit, mir künstlerisch etwas allzu anspruchsvolles auszudenken, sondern habe auf mir vertraute Motive und Techniken zurückgegriffen.
Die Banner sind 37 cm breit und 110 cm lang. Ich habe mit Acryl auf IKEA Leinen gemalt.






Montag, 30. Mai 2016

Neuer Larp Charakter - Merle



 
Oft hat man eine Idee, die man erst mal wieder verwirft, weil es im Leben gerade keinen Platz für sie gibt. Ab und an passiert es aber, dass sie sich immer wieder ins bewusste Denken drängt, bis man sich genauer mit ihr befasst.




Am Spinnrad Garn zu spinnen - das hätte mich schon vor Jahren sehr fasziniert, aber es wäre unmöglich gewesen, eine solch müßige Tätigkeit in meinen Geige übenden Studentenalltag zu integrieren.
Und just bin ich vor einigen Monaten wieder zwei Personen begegnet, die Garn von Hand spinnen, weben und Sachen für den täglichen Gebrauch daraus herstellen. Bei der Gelegenheit konnte ich mich auch selbst an der Handspindel versuchen und habe große Lust dazu bekommen.




Jedoch weiß ich, dass ich nicht die Persönlichkeit bin, die das dann voll durchzieht. Ich würde es aus Interesse machen, ausprobieren, ein bisschen experimentieren, aber eine Beschäftigung, die den Titel "Hobby" verdient, der jede Woche nachkomme, wird es nicht werden.




Nichts desto Trotz glaube ich, dass ich relativ schnell einen gleichmässig gesponnenen Faden hinbekommen werde.
Ideale Voraussetzungen, um einen Larpcharakter daraus zu machen, und hoffentlich einen Weg zu finden, um diesem Wunsch auf die ein oder andere Weise nachzukommen.




Als ich letzten Sommer dieses Kleid genäht habe, hatte ich noch keinen Plan, was ich damit anfangen soll. Ich wollte einfach mal ein Renaissancekleid machen und habe mich über die ausführliche und gut umsetzbare Anleitung für ein flämisches Bürgerkleid auf  http://www.elizabethancostume.net/ gefreut.




Die üblichen kitschigen Märchenfilme und nicht zuletzt die Geschichte von Dornröschen, wo der König irrsinnigerweise alle Spinnräder verbrennen lässt, damit sich seine Tochter an einer Handspindel sticht, waren ausschlaggebend für die Idee.




Ausserdem hat mein Freund, welcher übrigens auch diese wunderbaren Fotos gemacht hat, angefangen zu drechseln. Da gebe ich demnächst eine Handspindel in Auftrag.




Das Kleid würde ich am liebsten den ganzen Tag tragen und ich freue mich schon auf die erste Con mit Merle. Dieses Jahr wird es aber eher nix werden, da sind schon Elbendinge geplant und ich werde meine Streunerin/Spielfrau wieder auspacken, die in diesem Blog beizeiten auch noch angesprochen werden soll.







Sonntag, 17. April 2016

Musik auf Con - historisierend? (Teil I)

Anstoss für diesen Post ist unter anderem eine Diskussion aus dem Larper Ning, wo es darum geht, inwieweit Larp das Geschichtsinteresse beeinflusst, bzw. Geschichtsinteresse das Liverollenspiel.

Es ist mittlerweile ein weitläufiger Usus, seine Gewandung historisch orientiert oder gar nahezu korrekt umzusetzen, sich mit Modeströmungen diverser Epochen auseinanderzusetzen, Cons oder einzelne Lager optisch an ein Zeitfenster anzupassen.

Wenn jemand allerdings historisierende Klamotten näht, kann der dann wirklich schon sagen, er interessiert sich weitläufig für Geschichte im Allgemeinen?
Wir können natürlich weder Kriege noch Religion 1 zu 1 übernehmen, wenn wir uns in einer fiktiven Welt befinden. Was die Kulturgeschichte betrifft, haben wir in meinen Augen andere Möglichkeiten. Da können wir viel ungenierter an Architektur (hm, etwas schwer mit Zelten), Bildhauerei (ähm...), Literatur (ein Theaterstück, ein Gedicht, eine Geschichte - wieso nicht?), Malerei, ... und natürlich Musik abschauen.



Es ist nicht leicht, Musik in Genres zu stecken, da sich diese ständig überschneiden. Trotzdem stecke ich alle Musik grundsätzlich mal in 4 grobe Spalten: Klassik, Jazz, Popularmusik und Volksmusik.
Auf Larp hören wir zu 99% letztere beide, wobei ich jetzt mal sinniere, dass der Pop den Folk nochmal um einiges überflügelt.
Den Pop stülpe ich übrigens über alles, was sich aus dem, das seit den Beatles und durch passiert ist, entwickelt hat: Rock, Metal, Singer-Songwriter, Punk, Schlager...: Hauptsächlich Besetzungen mit Gitarre, Bass, Rhythmusinstrument... oder alternativ elektronisch und nicht intrumental. Musikalisch und harmonisch folgt er jedenfalls anderen Regeln als der Jazz.

Damit ist der Pop das jüngste Genre der Musikgeschichte. Ob das nun Dudelsäcke und Trommeln sind oder der klassische Larpbarde, der atemlos "Wein, Weib und Gesang" zum Besten gibt und alle grölen mit wie in einer Schlagershow: Beides haben wir schon zuhauf gesehen (und es gibt unter den vielen Larpmusikern auch Leute, die richtig guten Larppop machen).
Das ist auch ok, schliesslich hören viele Larper auch zu Hause Schandmaul, in Extremo und Co. und nicht Bach oder Franko-flämische Vokalpolyphonie. Und so lange wir uns in einem reinen Fantasykontext befinden, spricht auch nichts dagegen, diesen gigantischen Bogen in die Moderne zu schlagen.

Aber wenn sich ein Larper für Geschichte interessiert und durch unpassende Fremdeinflüsse leicht aus dem Spiel werfen lässt, sowie selbstverständlich alle sichtbaren Nähte von Hand erledigt, warum ist dann (durchaus guter) Tavernenpop oder absolut moderne Filmmusik aus historischen Filmen der Soundtrack, der das Con episch macht?

Wenn ich auf Youtube "Mittelaltermusik" eingebe, kommt leider alles, nur nicht das. Bei den darauffolgenden Epochen jedoch, die näher an unserer Gegenwart sind, werden die Ergebnisse sehr viel zuverlässiger. Daher soll der erste Teil, der sich mit meiner Ansicht zu historisierender Musik im Larp befassen soll, sich damit beschäftigen, und ich kann noch ein bisschen zum Mittelalter recherchieren.

Vorweg möchte ich noch kurz etwas über mich und meine Einstellung, sowie meinen Bezug zu dem Thema loswerden: Ich bin keine Musikwissenschaftlerin, keine Historikerin. Ich habe Klassik- und Jazzgeige studiert. Ab und an habe ich auch etwas Barockgeige gespielt in historischen Formationen an der Uni und mir den ein oder anderen Vortrag über Barockmusik angehört. Nichts desto Trotz würde ich mein dahingehendes Interesse als eher oberflächlich bezeichnen.
Da aber die erste Geige in einer ihr heute ähnlichen Bauweise um 1550 datiert ist, haben die Komponisten ca. im Barock angefangen, explizit für dieses Instrument zu komponieren. Damit umfasst die im Studium durchgenommene Literatur die Zeit vom Barock bis heute.


Viele Musikinstrumente wurden in der Renaissance zum Barock hin in eine Form entwickelt, die ein Vorläufer war zu den Instrumenten, die man heute an einer Musikschule erlernen kann. Das trifft zum Beispiel auf die Barockgitarre zu (gib doch auf Youtube mal "Barockgitarre" ein, während du liest).

Laut Wikipedia hat man schon in Pharaonengräbern Blechblasinstrumente gefunden. Die entsprechende Ventiltechnik und Form wurde allerdings auch ca. zur Renaissance zu Vorläufern der heute gebräuchlichen Geräte entwickelt.

Holzblasinstrumente haben zu ähnlichen Zeiten Aufmerksamkeit im Sinne ihrer Verbesserung gefunden, allerdins unterscheiden sich die historischen Varianten meines Wissens stärker von den modernen. Insofern war die Traversflöte als Vorläufer zur Querflöte mal ein echtes Holzblasinstrument und die Blockflöte war im Barock ein echter Renner. Frag Youtube nach Blockflötenkonzerten von Vivaldi, wenn du dich traust.

Wie schon erwähnt, waren meine Lieblinge, die Streichinstrumente ab dem Frühbarock salonfähig und sahen den heutigen Geigen, Bratschen, Celli und Kontrabässen schon zum verwechseln ähnlich. Nur die Bögen waren noch nicht so weit entwickelt, die Saiten noch nicht aus Metall oder Kunststoff, sondern aus Darm und auch sonst haben sich einige Details verändert, die man fürs Larp problemlos unter den Tisch kehren kann.

Schon im Mittelalter finden wir einige Vorformen der Tasteninstrumente, wo die Drehleier, als Hybrid zwischen Tasten und Streichen dazugezählt wird. Virginal, Spinnet und Cembalo (und wie sie alle heissen) haben Jahrhundertelang ein Klangbild geprägt, bis im 18. Jahrhundert die ersten Hammerflügel dem uns heute bekannten Klavier ähnlich waren. Ein bischen gross und sperrig und vor allem zu teuer und wertvoll, als sie im Larp verwenden zu wollen, auch wenn ein Kofferharmonium eine echte Sensation wäre. Das Akkordeon, welches sich im 19. Jahrhundert in irgendeiner seiner heute zahlreichen Formen jemand ausgedacht hat, hat in Windeseile die Welt erobert. Gaslight, Steampunk und Western lassen grüssen.

Zum Thema Schlaginstrumente möchte ich nur loswerden, dass es erst einige Jahrzehnte her ist, dass sowohl die Cajón, als auch die Djembé um die Welt gereist sind, Schellenkranz und Rahmentrommeln hierzulande dagegen schon in der Renaissance den Takt zum Tanz geschlagen haben.

Ich halte damit fest, dass die Renaissance auch in instrumentenbaulicher Hinsicht ein Umschwung war. Es ist sehr aufwendig und zu riskant, einen modernen Nachbau eines historischen Instruments aufzutreiben und auf Con mitzunehmen. Aber, was die frühe Neuzeit betrifft, so ist sie auch gar nicht mehr so weit von uns heute entfernt. Wenn wir schon alle sichtbaren Nähte mit der Hand nähen, die unsichtbaren mit der Maschine und der Stoff sowieso maschinell gewebt und chemisch gefärbt ist, dann kann man einige unserer Musikschulinstrumente getrost als historisierend betrachten, womit wir wieder beim Thema wären.

Was nun die eigentlich gespielte Musik betrifft, kann man sagen, dass es für die Epochen nach dem Mittelalter nicht schwer ist, Noten für diverse Instrumente zu finden, die auch leicht zu spielen ist. Übrigens gibt es auch für alle Epochen haufenweise Ensembles, die sich auf sehr genauer und professioneller Ebene darum bemühen, so zu klingen, wie es damals geklungen haben könnte. Ich will da gar nicht auf einzelne Beispiele eingehen und habe auch keine Meinung dazu, was aus Renaissance, Barock, Klassik, Romantik und Moderne nun larptauglich sein könnte.
Falls da also etwa eine Trompete seit 10 Jahren am Dachboden liegt und seit der Schulzeit nicht mehr angerührt wurde: Vielleicht reichts ja noch für eine Trompetenfanfare am nächsten Turnier? Dass es im Spätmittelalter noch keine Ventile wie heute gab, dürften nicht alle wissen und wenn, ist doch auch egal.

Und an das Publikum, die Larper: Seid nicht immer so streng und drückt mal ein Auge zu, auch wenn eine Stimme für eure Ohren zu weinerlich sein mag und ihr euch durch die falsche Musik in eurem perfekten In-Time gestört fühlt. Hin und wieder mag es passieren, dass sich jemand richtig was einfallen lässt, wie zB der Typ mit der Trompetenfanfare und darauf wäre es schade zu verzichten, weil sich der Typ aufgrund der kritischen Masse nicht traut.



Nur noch ein Wort zum Thema Volksmusik: Folk ist eine sehr schöne, fürs Larp nahezu gemachte Musik. Was wir überall hören ist Volksmusik aus aller Herren Länder, so, wie sie heutzutage gespielt wird. Es gibt sehr wenig historisch umgesetzte Volksmusik, und wenn, dann reicht das gespielte Material leider nicht sehr weit zurück. Denn fast alles wurde mündlich weitergegeben und es geht uns viel von dem verloren, was zu Hause in der bäuerlichen Stube alles erklungen haben könnte.

Der einzige ständige Zeitzeuge (und das kommt jetzt komplett von mir) ist tatsächlich unsere heutige Volksmusik, die sich als ungebrochene Tradition seit langer Zeit fortgesetzt und entwickelt hat. Immerhin ein Bote, der aus Tonnenweise Musik hervorgegangen ist, von der ansonsten nur noch ein Bruchteil übrig ist.

Fazit dieses ellenlangen Posts, den hoffentlich irgendjemand zu Ende gelesen hat:
Es ist egal, ob du jetzt selbst Musik machst oder nicht. Aber wenn du die nächsten "alle sichtbaren Nähte von Hand" für deinen Charakter machst, der gleichzeitig eine liebevoll  und detaillreich ausgestaltete Hintergrundgeschichte bekommt, dann freut es mich, wenn dieser Post dir Anstoss dazu gibt, während der Näharbeit Hasenscheisse und den Streunern eine Pause zu gönnen und nach dem echten Zeug zu suchen, das dieser Charakter wirklich im Ohr haben mag.

Donnerstag, 10. März 2016

Elbengewandung

Kurz vor meinem ersten Epic Empires Elbenlager musste eine Gewandung her. Das Konzept hat sich zwar nie groß verändert, aber doch habe ich nach und nach meinen Bestand vergrößert und verbessert.

Zwar hatte ich schon öfters das Gefühl, dass es jetzt reicht, dass ich fertig bin, aber warum soll das ausgerechnet jetzt, nach 3 Jahren, wirklich der Fall sein?
 

Ich habe die Elbe das letzte Mal vor 1 1/2 Jahren gespielt und dieses Jahr kriegt sie endlich das wohlverdiente Revival. Die Gewandung ist mittlerweile so umfangreich, dass ich auf einem Con kaum alle Sachen tragen kann und um Showtragen soll es nicht gehen.

Aber dafür ums Wohlfühlen, trocken Bleiben und sich dabei immer sehen lassen können. Für jede Situation was zu haben, sowie für möglichst alle Wetterlagen.


Es macht keinen Sinn, nochmal etwas neues zu nähen, auch wenn ich Ideen hätte, da ich es nicht brauchen werde.